1. Niederbayerischer Tauchsportclub Plattling e.V.
Die mit den Stören kuscheln
Endlich war es soweit. Ich löste nach 2 Jahren meinen Geburtstagsgutschein im „NaturaGart Unterwasserpark“ in Ibbenbühren ein.
Nach 6 ¼ Stunden Fahrtzeit waren Markus und ich vor Ort und machten uns sofort auf den Weg zum 1500m² großen Glashaus, indem sich die Tauchbasis und zukünftig noch Restaurant und ein 3D-Kino befinden.
NaturaGart ist Marktführer bei Selbstbau-Systemen für große Teiche. Die meisten dieser Produkte werden von ihnen produziert und fast ausschließlich direkt ab Werk verkauft.
Firmensitz ist ein alter Gutshof, in dessen Umfeld sie eine Art 'Freiland-Labor' eingerichtet haben: Dieser NaturaGart-Park zählt jährlich weit über 100.000 Besucher. Teil dieser Anlage ist der weltweit größte Unterwasserpark, der jemals für Sporttaucher auf Folie gebaut worden ist.
Er ist 120m lang, max. 60m breit, max. 7.50m tief, mit 320m Höhlensystem und einem 5m hohen Tempel. Anfangs waren wir etwas skeptisch, da wir uns den Park größer vorgestellt haben. Doch als wir dann unseren ersten Tauchgang machten und uns durch ein verwinkeltes System von Höhlen, Grotten, Schluchten, Nischen, Felswänden und Geröllhaufen bewegten, waren wir uns einig, das 120m x 60m völlig ausreichend sind.
Beginnend mit einem flachen Einstiegsbereich, der rasch in eine Unterwasserschlucht abfällt, rücken die Felswände näher zusammen, werden höher und verstärken das Erlebnis des Abtauchens.
Aber am beeindruckensten war der große Vorplatz des antiken Tempels, dessen Weg 8 Katzen-Statuen von 3m Höhe säumten und vor dem Tempel an einem etwa acht Tonnen schweren Pharao endet. Auf dem Vorplatz halten sich oft über 20 Störe (Beluga-Störe, Russische Diamant Störe, Weiße Störe und sibirische Störe) auf, die meisten 1,20m bis 1,60m, einige über 2m lang. Die Störe sind völlig zahm, dürfen zwar wegen Ihrer empfindlichen Schleimschicht nicht angefasst werden, gehen aber trotzdem von sich aus auf Körperkontakt mit den Tauchern. Es ist ein irres Erlebnis, 15 min auf dem Boden zu liegen und von einem Dutzend Stören umschwommen und unter die Lupe genommen zu werden. Sie haben keine Scheu, eine Lutschprobe vom Maskenglas, des Handrückens oder sogar eines Fingers zu machen.
Ein Gewirr verschachtelter Wände, miteinander durch Öffnungen verbunden, lässt Räume entstehen, deren Decken aus Seerosenblättern bestehen. Zwischen Steinen, Blättern und Stängeln halten sich gern größere Fischschwärme auf – bei Gegenlicht eine attraktive Perspektive, ebenso wie dicke Forellen und ein Karpfen.
Wer noch kein Brevet für Höhlen- oder Wracktauchen hat, kann hier unter minimalem Risiko erstmal schnuppern. Die Notausstiege sorgen für viel Licht in den Höhlen. Der Taucher ist nie weiter als 5m von einem Notausstieg entfernt. Jeder Sonnenstrahl wirkt wie ein Bündel von zahllosen winzigen Strahlen. Bei Tag sind die Höhlen hell genug, das sich das Auge innerhalb ein paar Sekunden daran gewöhnt hat und man in den kurzen Höhlen auch ohne große Lampe auskommt. Um aber den gesamten Bau sehen zu können, ist eine gute Lichtquelle empfehlenswert.
Auch ein 13m langes Wrack eines Kanalschiffes wurde versenkt. Es hat drei Räume, sowie „die meistfotografierte Toilette Europas ;-)“ und kann ohne Schwierigkeiten durchschwommen werden.
Die Sichtweiten liegen zwischen 2 und 4m, abhängig von der Anzahl und der Sorgfalt der Taucher. Jedoch ist die Sichtweite in den Höhlen erheblich besser. Einziger Mangel, den wir feststellten ist, das hier auch etliche Schnuppertauchgänge pro Jahr durchgeführt werden und am Wochenende natürlich sehr viele Taucher den Park besuchen. Das wirkt sich negativ auf die Sichtweite im Gewässer aus. Für die Schnuppertaucher wäre unserer Meinung nach ein extra Becken von Vorteil gewesen.
Ein Tag mit 2 Tauchgängen kostet ab 25 Euro, an Wochenenden und Feiertagen 35 Euro. Flaschenfüllen 4,50 Euro. Wir haben für einen Tag mit 4 Tauchgängen und 4-mal 10L auffüllen 38 Euro bezahlt. Duschen und saubere sanitäre Einrichtungen sorgen für ein gepflegtes Ambiente.
Fazit: Ein weiter Weg von Plattling aus, aber wenn die Sichtverhältnisse passen ist es einmal im Jahr schon ein Erlebnis und eine Fahrt wert, die Markus und ich 2010 wieder antreten werden.
Quelle Textauszüge: NaturaGart Wasserpark
Quelle Bilder: Lemberger Günther